Geheimnisumwoben – der Göbekli Tepe

Geheimnisumwoben – der Göbekli Tepe

Im Archäologischen Museum

Im Archäologischen Museum Şanlıurfa sind zahlreiche Fundstücke des Göbekli Tepe ausgestellt. Wir bestaunen die jahrtausendalten ausgegrabenen Artefakte und die beeindruckende Nachbildung von Göbekli Tepe. Einzelne Reliefs oder ganze Reliefkompositionen weisen oft Tierdarstellungen auf. Wir entscheiden den realen Göbekli Tepe in seiner Einzigartigkeit zu besuchen, ein Zeugnis über das Wissen und Können jungsteinzeitlicher Menschen.

Die archäologische Stätte erlangte Weltruhm. Sie ist bekannt durch die älteste Monumentalarchitektur aus Kreisanlangen und ihre reliefverzierten T-Pfeiler. Ihre Entstehung und Deutung geben uns bis heute Rätsel auf. Theorien und Vermutungen werden unter den Forschern ausgetauscht. Der Prähistoriker Klaus Schmidt stellte die etablierte Hypothese auf, Göbekli Tepe sei ein steinzeitliches Heiligtum.

Im Museum am Göbekli Tepe

Diese Hypothese zieht sich auch durch das Museum unter dem Göbekli Tepe. Eine Multimediashow mit nachempfundenen Ritualen Steinzeitlicher Menschen zieht uns in seinen Bann. Hier trifft das Moderne auf alte Geschichte. Wir bleiben stehen, können den Blick nicht abwenden und werden in eine frühere Zeit katapultiert.

Der Weg zum Göbekli Tepe

Wir treten in die Sonne, sind wieder im Hier und Jetzt. Mit dem Audioguide geht es in den Shuttlebus, der uns mit zahlreichen anderen Besuchern zum Göbekli Tepe bringt. Wir steigen aus. Vor uns auf dem Hügel befindet sich ein riesiges Dachzelt. Es schützt die archäologischen Funde vor Witterungseinflüssen. Ein kleiner Rundweg aus vorgefertigten Holzstegen führt um die Anlage. Verbotsschilder unterbinden jeden abweichenden Schritt.

Die Lage des Göbekli Tepe

Göbekli Tepe bedeutet bauchiger Hügel. Er liegt etwa 16 Kilometer östlich der Stadt Şanlıurfa, auf einem Kalksteinplateau. Steppengras wächst an den trockenen Hängen.

Das älteste Heiligtum der Weltgeschichte

In der Türkei ist ein gemeinsames kulturelles Erbe der gesamten Menschheit zu finden. Museen, archäologische Stätten, in denen wir in die alte Geschichte eintauchen. Der Göbekli Tepe wird auf 9000 bis 8800 v.Chr. datiert, noch vor der Sesshaftigkeit der Steinzeitmenschen.

Zur Zeit der Jäger und Sammler

Niemand traute den reinen Jäger- und Sammlergemeinschaften das Errichten einer derartigen Stätte zu. Bis zum Fund dieser kulturellen Innovation. Der Bau setzt eine organisierte Gesellschaftsstruktur voraus, die bis dahin für die Steinzeitmenschen nicht für möglich gehalten wurde.

Es brauchte eine enorme Arbeitskraft, diese Stätte zu errichten. Technische und künstlerische Fähigkeiten waren Voraussetzung für die umfangreichen Steinmetzarbeiten. Handwerker und Künstler entwickelten sich. Sie mussten sich vor Ort versorgen und vorausschauend planen. Die Geburt der neolithischen Revolution?

Archäologen fanden noch keine Herdplätze oder Feuerstellen, die auf eine dauerhafte Besiedlung hinweisen. Die Menschen gingen nach wie vor zur Jagd, wie Knochenreste wilder Tiere beweisen. Wildes Getreide, das hier natürlich wuchs, diente ihnen bereits als Nahrungsquelle.

Manche halten den Jenseitsglauben und die Totenverehrung als Triebkraft der Neolithischen Revolution. Ermöglicht die Erforschung des Göpekli Tepe eine aufschlussreiche Antwort auf die Frage, warum die Menschen ihr Nomadenleben aufgaben und zu Bauern wurden? Führte der Klimawandel oder der Bau eines Heiligtums zur Sesshaftigkeit? Welche Rolle spielte die Religion und der Kult für die Entwicklung der Zivilisation?

Neolithische Revolution

Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet jungsteinzeitlich. Er wurde von dem britischen Wissenschaftler Vere Childe geprägt und bezeichnet den Übergang der Epoche von der Altsteinzeit zur Jungsteinzeit. Ausschlaggebend war der Wechsel des Nomadenlebens in die Sesshaftigkeit. Jäger und Sammler wurden Ackerbauer und betrieben Viehzucht.

Der Übergang zur Sesshaftigkeit

Der Göbekli Tepe liegt in einem Gebiet, in dem sich der Übergang zur Sesshaftigkeit vollzog. Hier existierten die Wildformen von Getreide und von Nutztieren. Von dieser Gegend breitete sich die neue Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht über Kleinasien bis nach Europa aus.

Es entstanden feste Siedlungen, Ackerbau, Nutztier- und Vorratshaltung. Archäologen fanden aus dieser Zeit viele Tonscherben, die in Museen als Ausstellungsobjekte dienen. Erste Gesellschaften mit verschiedenen Schichten und Aufgaben entstanden. Der Eigentumsbegriff und der Tauschhandel fanden Einzug.

Geheimnisumwobener Göbekli Tepe

Die Steinkreise des Göbekli Tepe entstanden, als die Menschen langsam in die Sesshaftigkeit fanden. Die gemeinschaftliche Arbeit formte ihre Identität.

Der Göbekli Tepe, der älteste monumentale Kultort der Geschichte. Wissenschaftler des Deutschen Archäologischen Instituts und türkische Partner graben an dem 750 hohen Hügel. Nach und nach arbeiten sich Forscher durch die Erde. Eine der grössten Entdeckungen der Archäologie und nur ein Bruchteil ist bisher freigelegt.

Göbekli Tepe verbirgt viele Geheimnisse. Das prähistorische Heiligtum aus mehreren grossen Kreisanlagen wurde aus unbekannten Gründen aufgegeben. Die Menschen beerdigten den Ort mit Erde und Geröll.

Im 9. Jahrtausend wurden auf dem Hügel kleinere, rechteckige Bauten errichtet mit T-förmigen Steinsäulen. Auch diese Bauten verschwanden unter dem Boden, der in jüngerer Zeit vor allem landwirtschaftlich genutzt wurde.

Die Ausgrabungsstätte

Wir stehen auf einem Holzsteg, der um einen Teil des Langzeitausgrabungsprojektes führt. Unter unseren Füssen arbeiten Wissenschaftler.

Blicken wir auf einen möglichen regionalen Versammlungsort, rituelles Zentrum und Kommunikationsplattform für ein mögliches vernetztes Volk der Jäger und Sammler?

In unserem Blickfeld sind Säulen aus Kalkstein, die vor tausenden von Jahren mit Stein- und Knochenwerkzeug geformt wurden. Die T-förmigen monolithischen Säulen sind 6 Meter hoch und Tonnenschwer. Die Kreisanlage mit einem Durchmesser von bis zu 30 Metern sind einmalig auf der Welt. Im Zentrum steht ein alles überragendes Pfeilerpaar. Säulen zeigen menschliche, tierische oder abstrakte Symbole.

Göbekli Tepe als Wallfahrtsort

Das archäologische Ausgrabungsgebiet ist heute auch ein Wallfahrtsort der regionalen Bevölkerung. Wir stehen am höchsten Punkt neben einem Maulbeerbaum, der als dilek ağacı (Wunschbaum) bekannt ist.

An ihm sollen Wünsche und Gelübde ausgesprochen und Stofffetzen an die Äste gebunden werden. Der Brauch stammt aus vorislamischer Zeit. Der kleine Platz ist mit einer Steinmauer umgeben und lädt zum Verweilen ein. Die nächsten Besucher sind uns auf den Fersen. Wir spazieren in der glühenden Hitze voran. Ein kleiner Stand mit kalten Getränken am Ausgang des Areals wartet auf uns.

Ein Ausblick in die Zukunft

Ein Archäologiepark soll entstehen und für die Öffentlichkeit zugänglich sein, um den Ort in seiner Ursprünglichkeit zu bewahren. Werden einst alle Geheimnisse um Göbekli Tepe, dem UNESCO Welterbe gelüftet?

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