Olympos, Chimaira und das ewige Feuer

Olympos, Chimaira und das ewige Feuer

Unterwegs im Beydaglari Küstennationalpark

Die Landschaft ist rau und bergig. Serpentinenartig schlängelt sich die Strasse hinunter ins Tal. Wir fahren in den Beydaglari Küstennationalpark. Er liegt im westlichen Taurusgebirge am Mittelmeer. Hier befinden sich Olympos und die ewigen Feuer.

Urlaubstourismus am Strand von Cirali

Uns kommen Strandurlauber entgegen. Sie eilen an den Ruinen vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Ein Sonnenbad interessiert sie mehr, als die alten Steine einer längst verlassenen Stadt. Das Meer nur ein kurzer Fussmarsch entfernt.

Der Strand von Cirali gehört zum Schildkrötenschutzgebiet. In den Sommermonaten schlüpfen hier Meeresschildkröten aus ihren Eiern. Sicher ein spektakulärer Anblick. Hoffentlich werden sie auf ihrem Weg in das salzige Wasser nicht von trampelnden Menschenfüssen gestört.

Ruinenstadt Olympos

Deliktaş – der Felsdurchgang

Der Felsdurchgang am Strand war der einzige Eingang, der in das angrenzende Tal führte. Durch Versandung liegt dieser heute 20 Meter vom Meer entfernt.

Die Natur erobert das Gebiet zurück

Die Verbindung zum Strand verläuft entlang des Flusses an den Ruinen der Stadt Olympos vorbei. Wir sehen die Reste einer Brücke über das Flussbett, die beide Stadtteile miteinander verband.

Die Natur erobert das Gebiet zurück. Eine grosse Amphibie huscht an den Steinmauern entlang. Das Reptil beäugt uns, bevor es im Schatten verschwindet. Das Geräusch der Zikaden begleitet uns auf dem Weg in die Vergangenheit. Wir atmen den Geruch der Pinien. Die Ruinen umgeben uns. Reste eines römischen Theaters, einer byzantinischen Basilika und eines Sarkophagen. Ruinen einer alten Stadt an der Südküste der Türkei, die vor über 2000 Jahren von Lykiern bewohnt war.

Lykien und seine Bewohner

Die Lykier, ein Volk mit eigener Kultur und Schrift. Ihre indogermanische Sprache starb im 3. Jahrhundert v. Chr. aus.

Es gibt viele antike Stätten in Lykien. Olympos ist eine unter vielen. Sie liegt an der Ostküste Lykiens und war bis zum Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. eine bedeutende Stadt des Lykischen Bundes.

Chimaira und das ewige Feuer

Stellplatz: N36°25’17.58″ E30°29’1.74″

Wir fahren weiter auf unseren Übernachtungsplatz und wandern am späten Nachmittag die staubige Strasse entlang. Unser Ziel ist ein jahrtausendealtes Naturphänomen.

Nicht weit entfernt hinter dem Strand von Cirali bei Olympos iegt Chimaira. Der Platz ist seit der Antike bekannt.

Viele Touristen werden bis an den Fuss des Berges gefahren und erklimmen den Aufstieg. Sie beachten die Infotafel nicht. Mit Crocks, Sandalen und Essen im Gepäck steigen sie den Berg immer höher. Hier und da das Weinen eines Kindes, das über die unregelmässigen Steine stolpert. Was wird uns erwarten? Ein Touristen Napp?

Die letzte Stufe. Viele Touristen sind bereits hier. Einige Familien haben es sich vor den Flammen bequem gemacht, die aus dem felsigen Boden des Berghanges schlagen. Mit Würstchen, Spiesen und Marshmallows verharren sie hier Stunden. Das Verbot das Feuer als Grillstellen zu benutzen, scheint hier niemanden zu interessieren. Kleinere Feuerstellen bleiben frei und dienen den verschwitzten Besuchern als Fotomotiv.

Griechische Mythologie und Hephaistos

Olympos war für seinen Kult für Hephaistos berühmt, wegen der nahe gelegenen ewigen Feuer der Chimaira.

Hephaistos, der Gott des Feuers, der Vulkane und der Schmiedekunst. Er entspricht dem römischen Vulcanus und gehört zu den zwölf olympischen Gottheiten.

Chimaira – ein Mischwesen in der Mythologie

Erdgas strömt aus den Rissen der Kalksteine und nährt das Feuer. Früher konnten sich die Menschen das Phänomen nicht erklären und glaubten an ein Ungeheuer, das hier lebt. Die Chimaira.

Homer beschreibt Chimaira in der Ilias als feuerspeiendes Wesen. Ihr Vorderteil gleicht dem eines Löwen, der Körper einer Ziege und das Hinterteil eines Drachen.

Nachtwanderung

Die Sonne geht langsam unter. Wir entscheiden uns für den Abstieg, bevor die Dunkelheit ihr Tuch über das Gebiet ausbreitet. Einige Besucher kommen uns immer noch entgegen. Das Licht der Taschenlampen tanzt über dem Boden. Der Weg in der Nacht mit all seinen Stolpersteinen und Kurven ist nicht ganz ungefährlich. Wir wandern im Licht des Supermondes zurück zum Stellplatz und werden begleitet vom Geräusch der Zikaden und das Rascheln eines Igels im Gebüsch.

Supermond

Der Trabant hängt am dunklen Himmelszelt und leuchtet als riesige runde Kugel auf uns herab. Er ist knapp 30 000 Kilometer näher an unserem blauen Planeten, als andere Vollmonde.

Fazit Olympos und die ewigen Feuer

Die Eindrücke des Tages lassen wir noch einmal Revue passieren. Zu viele Touristen tummeln sich hier in der Gegend um Olympos. Es gibt schönere Orte in der Türkei, andere antike Stätten, die wir euch ans Herz legen. Orte, die nicht oder noch nicht so überlaufen sind. Strände, die Meeresschildkröten nicht mit Sonnenanbetern und im Sand spielende Kinder teilen müssen, um ihre Eier abzulegen. Wir verabschieden uns mit einem bitteren Beigeschmack von dem Beydaglari Küstennationalpark und freuen uns auf unberührte Natur und verlassene Strände ohne Tourismus.

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