Şanlıurfa

Şanlıurfa

Wir besuchen die historische Stadt Şanlıurfa in Südostanatolien. Sie ist bekannt unter dem historischen Namen Edessa.

Stellplatz und bekannte Gesichter

Wir stellen unser Wohnmobil auf den bewachten Museumsparkplatz. Hier können wir auch übernachten. Stellplatz: N 37°9’16.63“   E 38° 46’ 54.71“

Neben uns steht ein Camper, den wir bereits im Februar letzten Jahres in Griechenland kennenlernten. Wir erinnern uns an die letzte Begegnung. Nach einem Plausch auf Englisch über die Erlebnisse in der Türkei und die nächsten Ziele, machen wir uns auf, die Stadt zu entdecken.

Şanlıurfa und seine Geschichte

In Keilschrifttexten wird Şanlıurfa um 2000 v.Chr. zum ersten Mal erwähnt. Alexander der Grosse eroberte die Stadt, Seleukos I. gründetet sie 303 v.Chr. unter dem Namen Édessa erneut. Édessa war in den darauffolgenden Jahrhunderten vielfach umkämpft. Berühmt ist «die Schlacht von Édessa», als der römische Kaiser Valerian besiegt und gefangen genommen wurde.

In der Spätantike galt die Stadt als wichtiges religiöses Zentrum des syrisch-römischen Ostens. Ein Hochwasser zerstörte im 6. Jahrhundert weite Teile der Stadt. Weitere Verwüstungen folgten durch verschiedene Belagerungen. Die Stadt wurde von einem Eroberer zum nächsten weitergereicht.

Osmanen eroberten die Stadt 1637 und gaben ihr den Namen Urfa. Sie wuchs zu einem bedeutenden Handelszentrum für Baumwolle, Leder und Juwelen.

Nach dem ersten Weltkrieg besetzten Briten die Stadt, ihnen folgten Franzosen, die von der türkischen Armee vertrieben wurden. Unter den Türken erhielt die Stadt im Jahr 1983 den Zusatz şanlı. Zur Erinnerung an den Widerstand gegen die französische Besatzung im türkischen Befreiungskrieg. Şanlı, bedeutet ruhmreich. Von nun an hiess die Stadt Şanlıurfa.

Balıklıgöl – der heilige Fischteich

Der Balıklıgöl ist eine wichtige religiöse und heilige Stätte. Viele Muslime kommen her. Şanlıurfa, der Geburtsort Abrahams und Hiobs ist nach Mekka, Medina, Jerusalem und Alexandria ein wichtiges Pilgerzentrum des Islams.

Nimrod, Abraham und Balıklıgöl

Nimrod ist eine Sagengestalt, die in unterschiedlichen Mythen vorkommt. Der Berg der Festung von Sanliurfa wird auch als Thron des Nimrod bezeichnet.

Nimrod liess nach einem Traum, alle neugeborenen Söhne ermorden, wie auch der König Herodes nach der Geburt Jesu.

Abrahams Mutter Nuna zog sich in eine Höhle im heutigen Sanilurfa zurück und versteckte ihren Sohn vor Nimrod.

Der Legende nach hat Nimrod den Propheten Abraham vom Burghügel in ein Feuer geworfen. Gott hat das Feuer in einen Teich und die brennenden Holzscheite in Fische verwandelt, die im Balıklıgöl schwimmen.

Die sich hier tummelnden Karpfen gelten als heilig. Wir beobachten eine Weile das Wasser. Karpfenmäuler schnappen nach dem Fischfutter, das einige ins Wasser werfen.

Ayn Zeliha Golu

Der Gölbaşı-Garten ist von Kanälen durchzogen ist. Über diese ist der Fischteich Balıklıgöl mit einem weiteren Teich verbunden.

Nach einer Legende entstand der Teich der heiligen Zeliah nach einem weiteren Wunder. Nimrods Tochter Zeliah wandte sich gegen ihren Vater und nahm den Glauben an Gott an. Nach der Verurteilung durch Nimrod zum Feuertod, rettete Gott auch sie und es entstand der zweite Teich.

Wir stehen vor ihm und betrachten die Minarette der Dergah-Moschee im Hintergrund, als uns eine verhüllte Frau mit einem Baby auf dem Arm, um Geld anfleht.

Die Festung

Nach islamischer Überlieferung wurde Abraham in einer Höhle unterhalb der Festung geboren. Diese Höhle befindet sich an der Mevlid-i-Halil-Moschee.

Die Festung aus dem 8. Jahrhundert thront über dem Gölbaşı-Garten. Wir schmelzen dahin, wie das Eis in der Sonne, entscheiden uns gegen den Aufstieg und für die Suche nach einem schattigen kühlen Platz. Auf unserem Weg zurück zum Wohnmobil, besuchen wir die Felsengräber.

Kızılkoyun-Höhlen

Ein weiteres Highlight unserer Entdeckungsreise in Sanliurfa sind die 2000 Jahre alten Felsengräber.

In Şanlıurfa wurden Felsengräber aus dem 3. und 4. Jahrhundert entdeckt, die dem Tourismus als Freilichtmuseum zugänglich gemacht werden. Wir zahlen keinen Eintritt.

Als wir die ersten Höhlen unter die Lupe nehmen, steht plötzlich ein junger Mann neben uns. Er stellt sich vor und erklärt uns im fliessenden Englisch, was es mit den Gräbern auf sich hat. Muhammed stammt ursprünglich aus Syrien. Geld für die Führung lehnt er ab.

Die Ausgrabungsarbeiten unter der Kontrolle des Museumsausschusses ist das grösste Projekt von Sanliurfa in Bezug auf Archäologie. Die Freilegung der Gräber ging mit der Enteignung und Zerstörung viele Häuser, Fabriken und Lagerhallen für Holzbearbeitung einher.

Felsengräber

Felsengräber sind künstlich angelegte Höhlen, die als Gräber genutzt werden. Auch in der jüdisch-christlichen Kulturgeschichte spielen sie eine wichtige Rolle. Das Neue Testament überliefert die Bestattung Jesu von Nazareth in einem Felsengrab vor den Toren Jerusalems.

Die Stadt der Toten

Bei Restaurierungs- und Umweltsanierungsmassnahmen wurden alte Höhlen freigelegt. Ruinen antiker Kultur, die wir begehen und bestaunen.

Muhammed zeigt uns, was nicht gleich in unser Auge springt. Bodenmosaik, in Fels gehauene Inschriften, Reliefs zieren die Felsengräber. Wir betrachten Sarkophage aus Kalkstein und darin liegende Skelette. Soldatenstatuen aus der Römerzeit auf einem monolithischen Sockel standen als Schutz links und rechts neben dem Hauptgrab. Unsere Hand streicht über einen uralten Stein, der die Grabkammer verschloss.

Im archäologischen Museum gibt es noch weitere gefundene Artefakte der Kızılkoyun-Höhlen zu bestaunen.

Das arachäologische Museum (Şanlıurfa Müzesi)

Im Archäologischen Museum tauchen wir ein in die beeindruckende Geschichte, auf die Şanlıurfa zurückblicken kann. Sie reicht bis an das Ende der letzten Eiszeit zurück.

Wir betreten eines der grössten Museen der Türkei. In allen Museen und grösseren Einkaufszentren werden Sicherheitskontrollen durchgeführt. Taschen werden durchleuchtet, eine Schleuse betreten. Eine Schere in der Ersten-Hilfe-Tasche, die wir im Rucksack immer mit uns führen, geben wir ab.

Wir kaufen die Tickets, hinterlegen einen Pass als Depot für die Audioguides. Auf Deutsch hören wir Details zu den archäologischen Funden. Beeindruckend sind diejenigen des Göbekli Tepe, eines der ältesten Heiligtümer der Menschheit. Diesen wollen wir morgen an Ort und Stelle bestaunen.

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