Kiruna – eine Stadt zieht um

Kiruna – eine Stadt zieht um

In der nördlichsten schwedischen Stadt

Unsere Reise führt uns zur nördlichsten Stadt in Schweden. Hier scheint die Mitternachtssonne von Juni bis Juli ununterbrochen. Dagegen herrscht im Winter während 20 Tagen von Mitte bis Ende Dezember Polarnacht, wo die Sonne nie vollständig über den Horizont steigt. Die nordsamische Bezeichnung des Ortes ist giron, was so viel wie Schneehuhn bedeutet. Das Tier ist auch auf dem Stadtwappen zu sehen.

Herzliche willkommen in Kiruna. Die Stadt liegt zwischen den beiden Erzbergen Kiirunavaara und Luossavaara, wo hochwertiges Magnetit-Eisenerz mit bis zu 70% Eisengehalt zu finden ist. Der Erzabbau verläuft schräg unter der Stadt.

Kiruna, vom Erzabbau geprägt

Kiruna ist eine Industriestadt, die erst 1900 aus dem Boden gestampft wurde. Ein Ort für Grubenarbeiter. Die Stadt lebt vom Eisenerz, früher wie heute. Genau genommen liegt hier einer der größten Erzminen der Erde.

Die Stadt muss umziehen

Wegen der kontinuierlichen Erweiterung des Erzabbaus unter Kiruna, müssen große Teile des Zentrums umziehen. Den Bergbau wollte man natürlich nicht aufgeben, sonst wäre der Ort wirtschaftlich ruiniert. Das Einkommen der meisten lokalen Bevölkerung steht direkt oder indirekt in Verbindung mit der Mine. Und auch die Kaufkraft.

Ein Jahrhundertprojekt

Aber der Untertagbau bedroht die Stabilität des Bodens unter dem Stadtzentrum.

Hohlräume und Erdbewegungen dehnen das instabile Gebiet weiter aus. Um Gebäude abzureißen und neu zu bauen, wurde teilweise sogar der Denkmalschutz aufgehoben. Andere Häuser ziehen um, wie die alte wunderschöne Kirche, ein Wahrzeichen der Stadt. Diese wird zum neuen Zentrum in der Nähe des Friedhofs versetzt. Man geht davon aus, dass der Umzug der Kirche 2025 beginnen wird. Das genaue Vorgehen ist noch nicht abschließend geklärt.

Als der schwedische staatlich kontrollierte Eisenerzkonzern beschloss, die Fördertätigkeit fortzusetzen, schloss er sich mit der Stadtverwaltung und ein Architekturbüro zusammen, um den Umzug der Stadt zu planen. Dieser wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.

Kiruna soll eine Stadt werden, die mehr zu bieten hat, als das Eisenerz. Denn irgendwann ist das Vorkommen erschöpft. Jetzt können mit dem Umzug Weichen gestellt und in andere Branchen investiert werden. Hier ist nicht nur der Tourismus zu nennen, sondern auch die Bodenstation Kiruna, die mit ESA-Satelliten kommuniziert und der Raketenstartplatz Esrange für den Start von zivilen Forschungsraketen.

In einigen Jahren sollen von Kiruna aus, kommerzielle Weltraumflüge starten.

Die Kirche in Kiruna

Die Kirche und der Glockenturm liegen in einem Park.

„Du wirst eine Kirche zeichnen, die wie eine samische Kote aussieht!“

Stadtchef Hjalmar Lundbohm

Der Stadtchef Hjalmar Lundbohm beauftragte den Architekten Gustaf Wickman. Er war ein Meister der Holzarchitektur.

Wir sind beeindruckt. Schon beim Blick auf die Holzkonstruktion der Balken im Inneren der Kirche und der Lichteinfall erinnert an die traditionelle samische Behausung aus Holz und Fellen. Manche bezeichnen die Kirche auch als das Heiligtum der Wandernden.

Das Altargemälde vom Prinzen

Das Altargemälde wurde von Prinz Eugen gemalt. Eine stimmungsvolle Idylle, passend zu dieser Kirche.

Die Orgel wurde 1957 eingeweiht und ursprünglich von Rudolf von Beckerath aus Hamburg gebaut. Heute hat die Orgel 41 Klangfarben. Sie hat eine mechanische Traktur und ein elektronisches Register. Die moderne Technik hat auch hier Einzug gehalten.

Der Glockenturm

Der Glockenturm besteht aus langen Baumstämmen aus russischen Wäldern am Weißen Meer und wurde mit kleinen Stücken aus Kiefernholz dekoriert. Die typisch schwedische Rotfärbung sticht uns ins Auge, die berühmte Farbe Falunrot aus Falun.

Vergoldete Statuen

Auf dem Dach der Kirche stehen vergoldete Statuen von Christian Eriksson. In diesen sehen wir die Menschen in unterschiedlicher Lebens- und Gefühlslage. Zum Beispiel Verzweiflung: Gott ist weg. Alles ist weg. Nur das Nichts bleibt. Oder ein junger Same mit einem Rucksack vor ihm auf dem Boden. Die Hände zum Gebet gefaltet, vertraut er in Ruhe und Sicherheit seinem Gott.

Übernachtung in Kiruna

Wir fahren auf den Berg und blicken auf die Stadt Kiruna. Der Wind pfeift uns um die Ohren und schüttelt das Wohnmobil durch. So viel haben wir über diesen Ort gelesen. Es liegt nahe, dass wir überlegen, die größte Eisenerzgrube zu besichtigen. Die Kåppashålagrotte ist eines der längsten Grottensysteme Schwedens. Nach dem Einstieg können unterirdische Wasserfälle bewundert werden. Die Führung wird nur bei ausreichender Nachfrage durchgeführt. Aus Sicherheitsgründen müssen Kinder mindestens 6 Jahre alt sein und die Größe von 1,10 Meter überschritten haben.

Beim LKAB Visitor Center informieren wir uns. Die Tour dauert in etwa 4 Stunden, durch enge Gänge, die mit Wasser umspült sind. In den letzten Tagen hat es geregnet und der Pegelstand ist gestiegen. Es wurde uns nahegelegt noch zu warten, vor allem wegen Junior und der Nachfrage, die aufgrund des trüben Wetters nicht gegeben ist.

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