Gibraltar

Gibraltar

Torre de Punta Mala

Über eine unbefestigte Strasse holpern wir der Küste entgegen. Wir stellen uns zum Leuchtturm, der auf den Resten des alten von 1588 erbaut und mehrfach restauriert wurde. Sein Name ist Torre de Punta Mala. Unser Spaziergang führt uns zur Ruine der Casa de Carbonera, die sich gleich nebenan befindet. Nicht weit entfernt sind die Plätze von Wohnmobilen besetzt. Immer wieder patrouilliert eine Polizeistreife, bleibt nur wenige Schritte von unserem Stellplatz entfernt stehen und blickt durch das Fernglas in Richtung Gibraltar und Afrika.

Dieses Gebiet ist ein Paradies, nicht nur für Wanderer und Mountainbiker. Wir blicken auf den hoch aufragenden Felsen von Gibraltar. Der Gipfel hüllt sich in Wolken, wie die vor uns liegende Zukunft.

Silvester und der Blick in die Zukunft

Der letzte Tag im Jahr. Das Licht des Leuchtturms strahlt in die Dunkelheit. Ein Leuchtfeuer, das die Seefahrer durch das Wasser leitet, vor Gefahren warnt. Ein Symbol für Sicherheit und Orientierung. Im Leben gibt es das nicht. Kein Signal, das uns in schwierigen Lebenssituationen den Weg weist. Im Moment ist das Fahrwasser auch für uns schwierig. Ein neues Abenteuer wartet auf uns. Wir haben uns entschieden unseren Copiloten aus der Schule zu nehmen und von zu Hause zu unterrichten. Im Februar geht es los. Die Gründe sind vielfältig, aber wir sind uns einig. Ein Leuchtturm signalisiert «eine neue Zeit bricht an» und für uns ist es tatsächlich so. Das richtige Symbol für den letzten Tag des Jahres. Wir schauen hoffnungsvoll in die Zukunft.

Auf nach Gibraltar

Der Morgen erwacht. Eine schwere Wolkendecke verdeckt die Sonne. Es ist windig und kühl. Nach dem Frühstück geht’s auf die Landzunge an der Südküste Spaniens. Wir lassen unser Wohnmobil in der Nähe der Grenze auf einem bewachten Parkplatz stehen und gehen zu Fuß nach Gibraltar.

Von Spanien nach Grossbritannien

Das britische Staatsgebiet südlich von Spanien ist gerade einmal so groß, wie die kleinste Ostfriesische Insel Baltrum und hat 30 000 Einwohner. Gibraltar wird dominiert von einem 426 Meter hohen Kalksteinmonolithen. Der Felsen wurde nach dem arabischen Feldherrn Tarik benannt (Dschebel al-Tarik).

Ursprünglich im Mittelalter von den Mauren besiedelt, stand das Gebiet später unter spanischer Herrschaft und wurde 1713 an Großbritannien abgetreten. Es gab in den letzten Jahrzehnten immer wieder Spannungen zwischen den beiden Ländern, da Spanien das Gebiet von Gibraltar zurückfordert. In zwei Referenden (1967 und 2002) sprachen sich jeweils 99% der Bevölkerung für den Verbleib im Vereinigten Königreich aus.

Wir laufen über die Start- und Landebahn des Flughafens

Die Grenzwärter sind freundlich, blicken kurz auf die Pässe und winken uns durch. Nun stehen wir auf einem britischen Überseegebiet und gehen quer über die Startbahn des Flughafens, die von einer vierspurigen Straße gekreuzt wird. Die einzige Straße nach Gibraltar führt tatsächlich über die Start- und Landebahn des Flughafens. Sobald sich ein Flieger nähert oder die Erlaubnis zum Abflug hat, werden die Schranken geschlossen und eine Durchfahrt ist nicht mehr möglich. Auch Fußgänger warten, denn Luftverkehr geht vor Bodenverkehr. Diese Verkehrsregelung ist auf der ganzen Welt einmalig.

Freunde treffen in Gibraltar

Es ist Neujahr. Die Geschäfte geschlossen. Nur wenige schlendern durch die Stadt. Die Taxifahrer stehen gelangweilt und sprechen die wenigen Touristen an. Wir schütteln den Kopf und steuern auf ein Café zu, genießen dort unter freien Himmel den Cappuccino und Scones, die uns an den Urlaub in Großbritannien erinnern. Schon bald blicken wir in Freudestrahlende Gesichter. Wir springen von den Stühlen. Neujahrsgrüße und herzerwärmende Umarmungen. Schon länger nicht gesehen, obwohl wir doch alle in der Schweiz wohnen und jetzt treffen wir uns in Gibraltar. Was für ein schöner Zufall. Der Gesprächsstoff geht uns nicht aus, aber wir haben nur den einen Tag und wollen mehr sehen von der britischen Kronkolonie mit der eigenen Regierung, die nur aus einem Staatschef und zwei Ministern bestehen. Unsere Wege trennen sich, aber wir werden uns sicher bald wiedersehen.

Der Affenfelsen

Wir fahren mit dem Taxi auf den Felsen. Es gibt auch die Möglichkeit mit der Seilbahn oder zu Fuß den Berg zu erklimmen. Hier leben Berberaffen. Es sind die letzten wildlebenden Affen in Europa, die sich mittlerweile an die Touristen gewöhnt haben. Rucksäcke werden in Handumdrehen geöffnet und nach Leckereien durchwühlt. Auch auf unserem springt ein frecher Affe. Sogar vor Fotoapparaten und Handys machen die Tiere nicht Halt. Wir umklammern unser Hab und Gut und schauen fasziniert auf die Tiere.

Die Affen dürfen nicht gefüttert werden und es drohen hohe Bußen bis zu 4000 Pfund. Ein gewisser Respekt und Abstand sind angeraten, da die Affen auch beißen können.   

Viele Höhlen

Der Berg ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Das Material aus den Tunneln wurde zur Landgewinnung genutzt. Die St. Michael’s Cave ist leider geschlossen. Eine Tropfsteinhöhle, die wir gerne besucht hätten. Einige behaupten, dass die Affen von Afrika nach Gibraltar durch diese Höhle gekommen sein sollen.

Der Aberglaube der Briten besagt, wenn der letzte Affe Gibraltar verlassen hat, wird das Vereinigte Königreich den Felsen verlieren. Auf dem felsigen Naturreservat sind heute über 200 wildlebende Affen zu finden.

Mainstreet und leerer Magen

Wir sind wieder im Tal und schlendern durch die Main Street, vorbei an zahlreichen Shopping-Läden, Restaurants, Bars und Duty-Free Geschäften. In der Hochsaison können wir uns gut vorstellen, wie die Touristen hier durchgeschleust werden. Es ist der erste Tag im Jahr, Feiertag und sehr ruhig. Nur wenige Cafés sind geöffnet. Nach einem langen Spaziergang finden wir endlich einen Take-Away mit Indischen Gerichten, um unseren Hunger zu stillen und nicht mit leerem Magen zurück nach Spanien zu gehen.

Zurück in Spanien

Es wird Nacht. Der Fels von Gibraltar wird angestrahlt. Wir entscheiden uns, am nächsten Morgen zum Europa Point zu fahren. Das flache Südende der Landzunge, dass in die Straße von Gibraltar ragt, ist nicht die Südspitze der Iberischen Halbinsel. Die liegt 25 Kilometer weiter südwestlich und ist unser nächstes Ziel: Tarifa. Aber zuerst ein Zwischenstopp in Gibraltar.

Europa Point

Ein Blick auf das Atlasgebirge und den regen Schiffsverkehr durch die Straße von Gibraltar. Keine 14 Kilometer trennen Europa von Afrika. Auf der afrikanischen Seite liegt Ceuta, eine spanische Enklave auf Marokkanischem Gebiet.

Griechische Legenden

Der Legende nach kam Herakles hierher, um die Rinder des Riesen Geryons zu stehlen. Es war seine zehnte Aufgabe. Er schuf die beiden Säulen, den Felsen von Gibraltar auf der einen Seite und auf afrikanischer Seite den Jbel Musa. Wenn ihr mehr über die griechischen Legenden erfahren möchtet, lest gern in unserem Griechenlandblog, dort findet ihr einige interessante Geschichten.

Blick auf das Atlasgebirge

Der Trinity Leuchtturm Gibraltars steht 49 Meter über dem Meeresspiegel und hat eine Reichweite von 37 Kilometern. Er weist den Seefahrern seit fast 200 Jahren sicher den Weg.

Hier stehen wir und blicken auf das Wasser hinaus. Im Osten liegt das Mittelmeer, die Bucht von Algeciras und im Süden die Meerenge von Gibraltar, mit dem afrikanischen Atlasgebirge in Sichtweite.

Wir verabschieden uns. Das nächste Ziel ist Tarifa.

2 Gedanken zu „Gibraltar

  1. Wow es sieht wieder fantastisch aus auf euren Bildern. Wir wünschen euch nachträglich einen guten Rutsch und ich hoffe das wir dieses Jahr spontan zusammen Zeit finden um zu laufen.

    1. Liebe Sibylle. Herzlichen Dank! Es werden noch einige fantastische Bilder folgen 😉 Auch euch noch alles Gute im neues Jahr. Liebe Grüsse und bis bald bei einer Joggingrunde

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